Kempten (ton) 17.12.2014, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

Exzellenter "Messias"

 Händel-Oratorium – Das Kemptener Ensemble „Mozart Pur!“ singt das berühmte Barockwerk auf Englisch. Eine herzerwärmende Interpretation – und ein Dirigent, der Luftsprünge vollführt

Das Kemptener Ensemble „Mozart Pur!“ unter David Wiesner präsentierte Georg Friedrich Händels opulentes Oratorium „Messias“. Die zwei Dutzend Vokalisten, das kleine Orchester mit Streichern und Bläsern sowie vier exzellente Solisten trugen die englische Originalfassung vor – und sorgten für großen Hörgenuss.

Das wohl berühmteste Werk Georg Friedrich Händels aus dem Jahr 1742 dürfte das einzige Barock-Oratorium sein, das seit seiner Uraufführung bis heute eine ununterbrochene Aufführungstradition aufweist. Die Kemptener führten es am vergangenen Sonntag zunächst in der Seeger Kirche auf, dann wechselten sie in die gut besuchte Stadtpfarrkirche St. Anton nach Kempten.

Der Chor wurde 2011 gegründet und besteht im Kern aus Mitgliedern des Cantoni-Chors, des Kirchenchors von St. Anton. Nur projektweise trifft sich „Mozart pur!“ zu Proben und Aufführungen, deren Schwerpunkte auf Mozarts Werken liegen. Diesmal aber haben sie sich dem Händel-Oratorium verschrieben. Die musikalische Abwechslung war überwältigend: Mal sang der stimmgewaltige Chor, mal übernahmen die Streicher das Heft. Dann wieder untermalte das Fagott die Melodien, während ein anderes Mal sich die Bläser ohne Ansatzprobleme machtvoll hören ließen. Insgesamt eine beeindruckende, herzerwärmende Aufführung. In drei Teilen wird Jesu Geburt, Passion und Auferstehung thematisiert – in Form von mitreißenden Chören, komplexen Fugen und anspruchsvollen Koloraturen.

Im oftmaligen Wechsel traten die Solisten vor das Auditorium: der sonore Bass Nikolai Ardey, der stimmgewaltige Tenor Bernhard Gärtner, die einschmeichelnd hohe Stimme des als Altus singenden Denis Lakey und die machtvolle Stimme der Sopranistin Judith Spiesser. Sie, aber auch Chor und Orchester rissen das Publikum am Ende zu heftigem, auch im Stehen gespendeten Applaus hin.

Als zentrale Figur stand, ja schwebte förmlich Chordirektor David Wiesner über allem und allen: Mit vollem Körpereinsatz hob er bisweilen förmlich ab und krönte sein Dirigat mit etlichen Luftsprüngen.

 

 Seeg (Werner Böck) 17.09.2013, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

Die Freude der Musiker reißt die Zuhörer mit

Kirchenkonzert: Viel Beifall für "Mozart pur!" in der Seeger Pfarrkirche St. Ulrich

Großer Beifall der vielen Besucher in St. Ulrich in Seeg hat Orchester und Chor der Kirchengemeinde St. Anton in Kempten sowie die Flötistin Susanne Eyhorn belohnt. In der Reihe der Sonntagskonzerte in der Seeger Pfarrkirche war diesmal der Chor "Mozart pur!" zu Gast. Kern dieses Ensembles sind die Mitglieder des Kirchenchores St. Anton in Kempten, die sich seit 2011 auf Mozart-Werke spezialisierten.

Die 16 Sängerinnen und neun Sänger hatten sich mit Chordirektor David Wiesner die "Trinitatismesse" KV 167 des 17-jährigen Mozart ausgesucht: Wiesner: "In meiner langjährigen Tätigkeit habe ich sie noch nie aufgeführt gehört!" Diese "Missa brevis et solemnis" verzichtet als einzige Mozart-Messe auf Solisten und führt dadurch zu einer nahezu rein sinfonischen Gestaltung, die Chor und Orchester hervorragend interpretierten. Vor allem das "Cum sancto spirito" im Credo ging unter die Haut. Wie in vielen Messen ist auch hier das Benedictus mit einer wunderbaren Melodie ausgestattet, die das Orchester duftig vorbereitete und der Chor in klarer Linie zu Gehör brachte. David Wiesner führte Chor und Orchester mit großen Gesten und vollem Körpereinsatz. "Ich hoffe, Ihr Beifall galt der Musik und nicht meinem Hochsprung zum Schluss!"

Ein besonderes Juwel war das Konzert für Flöte und Orchester von Carl Stamitz. Hier brillierte Susanne Eyhorn auf ihrer goldenen Flöte und das Zusammenspiel mit dem Orchester unter Konzertmeisterin Julia Fehre klappte hervorragend. Voller Klang in allen Tonbereichen und Leichtigkeit in den Läufen zeichnen die Solisitin aus. Vor allem in den Kadenzen kam ihre gute Tongebung zum Tragen. Nicht von ungefähr ist Susanne Eyhorn eine gefragte Mitwirkende bei Konzerten und CD-Produktionen des Bayerischen Rundfunks.

Zum Abschluss eines gelungenen Konzerts in der Seeger Pfarrkirche St. Ulrich hörte man Mozarts "Te Deum". Dazu Chordirektor Wiesner: "Auch in diesem Werk bewies Mozwart einmal mehr seine Begabung, sensibel auf die Textvorlage einzugehen und ein kleines Meisterwerk voll mitreißender Freude zu schaffen!" Diese Freude sah man auch den Mitwirkenden von "Mozart pur!" an und sie übertrug sich auf die zahlreichen Zuhörer.

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Seeg (Erika Poppler) 20.12.2012, mit freundlicher Genhmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

Klänge, die Stress und Hektik vergessen lassen

Adventskonzert Biberacher Bachtrompeter und "Mozart Pur" ernten in Seeg viel Applaus

Virtuos, aber gefühlvoll, elegant und geschmeidig, so klang es von der Empore der Rokoko-Kirche St. Ulrich in Seeg beim festlichen Adventskonzert. Die Biberacher Bachtrompeter Michael Bischof, Timo Bossler und Hans Mohr sowie an der Orgel Christian Kohler zogen alle Register ihrer Kunst und verzauberten das Publikum gleich zu Beginn mit "Fanfare & Chorus" von Dietrich Buxtehude.

Pfarrer Alois Linder zeigte sich erfreut, dass so viele Zuhörer gekommen waren und dass er nicht nur die Biberacher Bachtrompeter begrüßen durfte, sondern auch das Ensemble "Mozart Pur", das bereits im vergangenen Jahr in Seeg zu Gast gewesen war. Annähernd 500 Konzertbesucher fanden sich ein und dem vielversprechenden Auftakt folgte der Chor unter der Leitung von Chordirektor David Wiesner mit Motetten von Michael Praetorius, Hans Leo Hassler, Johannes Eccard und Georg Friedrich Händel und fügte sich wunderbar in das festliche Konzert ein. Ausdrucksstark gesungen das traditionelle Volkslied "Leise rieselt der Schnee", die Motetten "Child in a Manger", "Einmal sieht Ezekiel" und "Kommt mit zum Stall von Bethlehem". David Wiesner dirigierte mit viel Feingefühl und der Chor zeugte von unbändiger Freude am Singen und von hohem Niveau.

Alpenländische Weihnacht für Trompeten und Flügelhörner wie "Still, still, still, weil's Kindlein schlafen will" und "Es wird schon glei dumpa" fehlten ebenso wenig, wie "Hiatz kimmt die heilige Weihnachtszeit". Zart und einfühlsam gespielt das Spiritual "Nobody knows the trouble I've seen". Fantastische Klänge aus dem Messias "Denn es ist uns ein Kind geboren" und "Sinfonies de Fanfares" füllten zum Abschluss des Konzertes kraftvoll den Kirchenraum.

Dem gebannt zuhörenden Publikum bereiteten Chor wie Bläser und Organist einen wunderbaren, anrührenden Nachmittag. So mancher Zuhörer schloss die Augen und gab sich den herrlichen Klängen hin. Ein begeisterter Zuhörer meinte gar: "Bei diesen herrlichen Tönen vergesse ich jeden Stress und Hektik des Alltags". Lang anhaltender Beifall war der Dank für eine Vorstellung von höchster Präzision.


Wiggensbach/Kempten (Markus Noichl) | 19.09.2012, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

Auftritte von „Mozart pur!“ in Kempten und Wiggensbach

Entstaubte Kirchenmusik

Das Projekt "Mozart pur!" interpretiert klassische Werke erfrischend und zupackend - Auftritte in Kempten und Wiggensbach

Zwei Konzerte gab „Mozart pur!“ mit Kirchenmusik des Maestros – in der Pfarrkirche Wiggensbach und in St. Anton Kempten. Anlass war das 100-jährige Bestehens des Klosters St. Anton. „Mozart pur!“ besteht aus Sängerinnen und Sängern des dortigen Kirchenchores plus anderen Vokalisten und einem Kammerorchester.

Ein Crossover-Projekt, das neue Wege beschreitet. Die Premiere war im Herbst 2011 mit dem „Requiem“, nun hat David Wiesner das nächste Programm einstudiert.

Es begann mit der „Vesperae Solennes“ (KV 339), der festlichen Vesper. Es handelt sich um ein Werk, das kaum aufgeführt wird. Nicht wegen Qualitäts-Mängeln. Aber wann hört man schon Kirchenmusik voller Besetzung bei einer Vesper, einem Abendgottesdienst? Das konnte man sich zu Zeiten von Erzbischoff Colloredo in Salzburg leisten, heute nicht mehr.

Das Attribut „festlich“ wird mit Pauken und Trompeten unterstrichen. Auch vier Gesangssolisten sorgten für Glanz. Christine Hauber (Alt), Roman Payer (Tenor), Oliver Haux (Bass) waren im Ensemble zu hören.

Martina Dorn (Sopran) exponierte sich später noch mit dem bekannten „Exsultate, jubilate“, wofür sie prompt Sonderapplaus einheimste. Das Oberallgäu kann sich freuen über eine heimische Sängerin mit einem Goldkehlchen, die Mozarts Koloraturen entspannt bewältigt.

Alle Kräfte im Einsatz waren bei zwei Werken zu Ehren des Gottesmutter, dem Offertorium „Alma Dei creatoris“ (KV 277) und dem Graduale „Sancta Maria, Mater Dei“ (KV 273). Hier wie im abschließenden „Te Deum“ (KV 141) unterstrich „Mozart pur!“ seinen Anspruch, sakrale Musik schlank und vital aufzuführen. Ohne Weihrauch-Dunst. Jenseitige Entrückung und diesseitige Schärfe, das waren Pole und Kontraste.

Wenn es sich anbot, wurde auch mal zugepackt wie in einer Oper. Erneut ein erfrischendes Konzert, mit dem „Mozart pur!“ klassische Kirchenmusik vom Staub befreite und im Geist von Heute interpretierte.

Einmal mehr machte man die Erfahrung, dass Intensität auch ohne Lautstärke und Masse möglich ist. Dass ein Chor von 23 Sängerinnen und Sängern sich in einer großen Kirche wie St. Anton so durchsetzten kann, würde man nicht vermuten.


Kempten (Markus Noichl) | 16.11.2011, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

"Mozart pur" und das Orchester von St. Anton präsentieren in Kempten ein schlankes Mozart- Requiem

Federnd und vital - Das Vokalensemble

"Mozart Pur" heißt ein neues Vokalensemble, das sich bei dem durch einige kleinere Kompositionen "garnierten" Mozart-Requiem in der der Kirche St. Anton in Kempten vorstellte. Neben dem großen Kirchenchor ein schlankes Ensemble zu gründen - darin kann man Chorleiter David Wiesner nur unterstützen.

Klangvolumen da, wo es hingehört. Aber für Musik vor der Romantik haben sich inzwischen abgespeckte Besetzungen durchgesetzt.
Diesem beweglichen, elastischen Musizieren im Sinn der historischen Aufführungspraxis kann man sich heute nicht mehr verschließen. Kirchenmusik quer durch alle Epochen immer mit personeller Maximalkraft zu fahren, das hat die Zeit überholt. „Romantisch aufgebläht“ ist die Bezeichnung, die man heute dafür kassiert. Gratulation, wenn ein Chorleiter rechtzeitig reagiert und zweigleisig fährt, auch wenn das psychologische Anforderungen stellt.
24 Sängerinnen und Sänger (davon 18 aus dem Kirchenchor) – der fülligen Akustik in St. Anton kam das entgegen. Figuren wie die schnellen Läufe der Fugen waren transparent zu hören. Neben den Streichern waren im Orchester zwei Fagotte, zwei Basett-Klarinetten, zwei Trompeten. Hier hatte man barocke Natur-Trompeten (eine aus Durach).
Moderne Ventil-Instrumente wären zu laut gewesen. Eine gute Idee. Die Pauken wurden mit historischen Holz-Schlegeln bearbeitet, hatten einen prägnanten, knackigen Ton.

Tenor Bernhard Gärtner musste am Tag vorher aufgestöbert werden für den ursprünglich vorgesehenen Markus Herzog. Er fügte sich bestens ein: Das Solisten-Quartett mit den Allgäuerinnen Martina Dorn (Sopran) und Hedwig Schöner (Alt) sowie Nikolai Ardey (Bass) aus dem Raum München harmonierte perfekt. Sätze wie das „Benedictus“ gelangen als vorzügliche Einheit.

Das Requiem erklang in der instumental entrümpelten Fassung von Franz Beyer. Es wurde glücklicherweise darauf verzichtet, die Chorstimmen durch parallel laufende Posaunen zu begleiten. Auch wenn der vorzügliche Posaunist dann nur im berühmtem „tuba mirum“ den jüngsten Tag ankündigen durfte.

Auch im Tempo hat Wiesner eine zeitgemäße Auffassung. Schon der Anfang des Requiems machte hellhörig. Das war nicht weihevoll und bedeutungsschwanger zelebriert. Federnd und vital ging es dahin. Ein berühmtes, alljährlich im grauen November vielstrapaziertes Werk erklang hier in einer gültig-frischen Fassung mit Konzept.

Die „geläufige Gurgel“ (O-Ton Mozart), die man dafür braucht, brachten diese Vokalisten mit. Das wurde schon zum Auftakt klar, als Chor und Solisten die Motette „Alma Dei Creatoris“ zu Ehren der Gottesmutter anstimmten und im „Laudate Dominum“ ein inniges Sopransolo von allen Sängern übernommen wird.

Vierhändig auf der Orgel spielten Christian Kohler und Andrea Kumpe die Fantasie KV 594 – ursprünglich geschrieben für die damals Aufsehen erregenden Musik-Automaten, bei denen eine Orgel von einem Uhrwerk angetrieben wurde. Auch Händel, Haydn und Beethoven lieferten dafür Stücke.