Kempten (Helmut Littschwager) | 05.11.2013, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

Feierliches Oratorium in der Kirche St. Anton sorgt für stimmungsvollen Ausklang der stillen Feiertage in Kempten

Kultur · Es war eine Art Ausklang der stillen Feiertage in St. Anton in Kempten: Chordirektor David Wiesner führte mit seinem Kirchenchor zusammen mit dem Chor „Zabander“ aus Sulzberg Louis Spohrs Oratorium „Die letzten Dinge“ und Antonin Dvoráks „Te Deum“ auf.

Oratorium 2013 (Foto: Ralf Lienert) Foto: Ralf Lienert

Für das Publikum bedeutete dieses Hörerlebnis ein Eintauchen in eine Zeit des 19. Jahrhunderts, die zwischen ausklingender Klassik und schon begonnener früher Romantik liegt. Die mehr als 70 Sängerinnen und Sänger, die Solistinnen und das Orchester brachten Spohrs Todes- und Ewigkeitsvisionen höchst eindringlich zur Geltung. Dem Oratorium liegen als Text Teile der Offenbarung des Johannes zugrunde.

Spohr hatte „Die letzten Dinge“ 1826 komponiert, ein Jahr vor Beethovens Tod, aber noch drei Jahre vor der folgenreichen Wiederentdeckung der Bachschen Matthäuspassion durch den blutjungen Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Oratorium besticht durch die meisterhafte Instrumentationstechnik Spohrs, der ja auch ein virtuoser Geiger war. Unter dem klaren Dirigat Wiesners erreichten die Chorpartien mit ihrer Empfindsamkeit und der aufwühlenden Dramatik die zahlreichen Zuhörer. Was für ein Eindruck mag das bei der Uraufführung mit 200 Musikern vor 2000 Menschen gewesen sein! Damals musste übrigens die Sopranistin von der Bühne geführt werden, so ergriffen war sie.

Sopranistin Doris Döllinger erreichte in St. Anton mit ihrer eindringlichen Gestaltung ebenfalls die Herzen, etwa zusammen mit Tenor Robert Sellier im beseelten Duett "Sei mir nicht schrecklich in der Not, Herr, meine Zuversicht". Bassist Nikolai Ardey sorgte mit seiner markanten Stimme beispielsweise im Rezitativ "So spricht der Herr: Das Ende kommt" für ein Innehalten. Altistin Eva Brunner artikulierte klar und warmtönend zusammen mit Sopranistin Döllinger "Sieh einen neuen Himmel und eine neue Erde, von Gott bereitet und schön geschmückt als eine Braut".

Dvoráks „Te Deum“, 1892 in New York zur 400-Jahr-Feier Amerikas komponiert, fesselte durch seine mitreißende Rhythmik und die hochdynamischen Tutti aller Mitwirkenden. In höchsten Tönen und furiosem Fortissimo kündete Dvoráks Klangvision von einer Vereinigung des Lobgesangs der himmlischen Heerscharen, Apostel, Propheten und Märtyrer. Nicht ganz leicht hatten es freilich auch hier die Männerstimmen, sich im Chor gegen eine zahlenmäßig dreifache Frauenübermacht zu behaupten.

 

Kempten (Peter Schupp) | 06.03.2012, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

Stimmungsreiche Aufführung des Händel-Oratoriums "Judas Maccabäus" erntet in Kempten viel Applaus

Verzweiflung, Hoffnung, Jubel

Eine mutige Entscheidung hatte der Chordirektor David Wiesner an der Kirche St. Anton in Kempten getroffen. Am Sonntag leitete er die Aufführung des Oratoriums „Judas Maccabäus“ von Georg Friedrich Händel.

alt

Foto: Ralf Lienert

Der Befreiungskampf der Israeliten ab dem Jahr 167 v. Chr. liefert den historischen Hintergrund zu diesem Werk, das in der Tradition der Opera Seria steht. Es entstand als Allegorie auf zeitgeschichtliche Ereignisse, erzählt jedoch von tiefen menschlichen Erfahrungen und weist so über den tagesaktuellen Kontext hinaus.

Das affektreiche Musikdrama, das in seiner Anlage und kompositorischen Vielfalt seiner Zeit weit voraus war, wurde von Wiesner überzeugend gestaltet, was sich bereits in der kantatenhaften Trauerszene zu Beginn zeigte.

Das Barock-Orchester (Konzertmeisterin Julia Fehre) bot durchgängig einen gleichermaßen festen, wie dezenten Klangteppich für die Vokalisten. Auch bei wortmalerischen Effekten und reizvollen Umspielungen der Solisten durch einzelne Instrumente war das Orchester absolut überzeugend.

Herausragend: Doris Döllinger

Das Werk ist Oper und Oratorium zugleich; ein Wechselspiel zwischen Verzweiflung, Hoffnung und Jubel. Diese Stimmungswechsel wurden gut herausgearbeitet. Die herausragende Doris Döllinger (Sopran) sang dabei ihre Arien und Rezitative ohne Makel, absolut sicher in allen Details, mit klarer, nie schriller Stimme, mit exakten Intervallsprüngen und perlenden Läufen.

Nikolai Ardey überzeugte mit seinem kraftvollen Bass in der Rolle des Hohepriesters, und Bernhard Gärtner gab bestens den „Helden“ Judas Maccabäus (teilweise auch den „Israelit“). Die Altistin Hedwig Schöner konnte vor allem in den herrlichen Duetten zusammen mit Doris Döllinger gefallen. Der Chor bot insgesamt eine beeindruckende Leistung.

Die teilweise langen Spannungsbögen, die gelegentlich sogar schroffe Dynamik und die fugentechnischen Details wurden sicher und transparent gesungen. Die Frauenstimmen überzeugten dabei besonders.

Zu den aufführungstechnischen Problemen gehört insbesondere die Dauer von (nahezu) drei Stunden. Wiesner setzte zur Auflockerung szenische Mittel ein und ließ damit den Operncharakter verstärkt hervortreten (zu Händels Zeiten gab es nur konzertante Aufführungen). Zu Beginn wurde, bei Glockengeläut, ein Sarg in den Chor getragen, und die Choristen traten aus der Sakristei (zumeist einzeln) unter Verbeugung vor dem Sarg ein. Das wirkte etwas zu „gewollt“.

Nach der Pause trat der Chor zunächst mit halber Besetzung auf. Der Grund: Zur großen „Siegeshymne“ nach der populären Melodie von „Tochter Zion freue Dich“, zog die andere Hälfte, Palmwedel schwenkend, durch den Mittelgang ein.

Musikalischer Grenzgang

Chordirektor David Wiesner hat sich musikalisch und aufführungstechnisch auf einen Grenzgang im Reich des Oratoriums eingelassen und dabei durchaus Maßstäbe gesetzt. Kürzungen (selbst nach der „Hallischen Fassung“) wären allerdings gut vertretbar gewesen.

Eine Inszenierung als (englische) Oper ist mit Laienchören nicht erreichbar. Die Entscheidung für die deutsche Textfassung und eine „Teilinszenierung“ war deshalb überzeugend. Das Publikum spendete stehend langen Applaus.

 

Durach (Klaus E. Wittmann) | 28.09.2011, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

Chor und Orchester von St. Anton in Kempten geben Gastspiel in der Duracher Kirche

Auch die drei Solisten glänzen

„Mozart Pur!“ wählte Chordirektor David Wiesner als Motto für das Konzert des Kirchenchores St. Anton (Kempten) in der katholischen Heilig-Geist-Kirche in Durach. Selten aufgeführte aber auch bekannte Werke von Mozart standen auf dem Programm. Das Interesse der Mozartfreunde und -kenner war somit groß und bescherte viele Besucher.

Vielseitig und standfest

Gleich mit dem ersten Stück, der Missa C-Dur „Dominicus-Messe“ (KV 66), gelang ein musikalischer Volltreffer. Die nahezu unbekannte Orchestermesse, die Mozart im Alter von nur 13 Jahren 1769 komponierte, bestach sowohl durch die festliche Instrumentierung als auch durch die hohen Anforderungen an alle Mitwirkenden.

Der Chor von St. Anton war gut vorbereitet und konnte gerade in den Schlussfugen des Gloria und Credo seine Vielseitigkeit und Standfestigkeit unter Beweis stellen. Wohltuend erklangen als Gegenpol die Soli, die Martina Dorn (Sopran), Hedwig Schöner (Alt) und Markus Herzog (Tenor) mit stimmlicher Leichtigkeit geradezu lyrisch gestalteten. Martina Dorn glänzte mit der Arie im „Quoniam“ des Gloria, die ausgedehnte Koloraturen aufweist.


Einfühlsam und straff dirigiert
Bei Mozarts Marienmotette „Alma Dei, Creatoris“ in F-Dur (KV 277) erlebten die Zuhörer ein empfindsames, intim anmutendes Kirchenmusikwerk. Die Solisten sowie die kleine Chor- und Streicherbesetzung brachten unter dem straffen jedoch stets einfühlsamen Dirigat David Wiesners den besonderen Charakter des Werkes – die Übereinstimmung zwischen musikalischer und textlicher Form – einfühlsam zum Ausdruck.
Vielseitig und standfest Zweifelsohne war das „Exsultate, jubilate“ (KV 165), das Mozart 1773 für den ersten Kastraten der Oper in Mailand komponierte, der Höhepunkt des Konzertabends. Martina Dorn entfaltete ihre reine, präzis geführte Sopranstimme spielerisch.

Deutlich hob sie das Rezitativ zwischen den zwei virtuosen kantablen Sätzen hervor, ebenso leuchtend die Koloraturen und die empfindsamen Passagen bis hin zum abschließenden Alleluja. Die Zuhörer waren begeistert und erreichten als sofortige Zugabe nochmal das Alleluja.

Alle Stücke stellten hohe Anforderungen an das Orchester, das sich durch anhaltend präzise und sehr homogene Begleitung auszeichnete. Den Abschluss des Konzertes bildete Mozarts „Te Deum“ in C-Dur (KV 141). Nochmal bewiesen Chor und Orchester ihr ganzes Können.

 

Memminger Zeitung | 31.05.2011, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

Bezauberte Zuhörer, überbordender Applaus

Mozartnacht  Wandelkonzert zum 220. Todestag des Klassikmeisters kommt bestens an – Großer Andrang

Bad Grönenbach Ein ganz besonderes Ereignis war die lange Mozartnacht in Bad Grönenbach. Eingeladen hatten dazu der Stiftschor Bad Grönenbach mit dem Kirchenchor und Orchester von St. Anton in Kempten unter der Leitung von Konzertmeister Johannes Kühn und Chordirektor David Wiesner. Schon am frühen Abend fanden sich zahlreiche Besucher ein, um in der Stiftskirche die Aufführung der „Krönungsmesse“ in großer Besetzung zu erleben.

Während die Abendsonne das blau-goldene Gnadenbild am Seitenaltar zum Glühen bringt, widmen sich die Interpreten – allen voran die vier Solisten Martina Dorn (Sopran), Hedwig Schöner (Alt), Markus Georg Herzog (Tenor) und Oliver Haux (Bass) – mit Konzentration und Leidenschaft dem großen Werk des großen Komponisten. Vom getragenen Kyrie steigert sich die Musik über ein gewaltiges Gloria und ein unerschütterliches Credo zum erhabenen Sanctus, um nach einem fröhlichen Benedictus im sanften Agnus Die zu enden. Der Dirigent im goldenen Barockkostüm und seine ausgezeichneten Künstler ernten überbordenden Applaus.

Dann steht eine Wanderung auf dem Programm, von der Kirche den Schlossberg hinauf – für müde Füße gibt’s einen Shuttlebus – wo im Hohen Schloss kulinarische Köstlichkeiten die Musikfreunde verwöhnen, ehe es mit musikalischen Bonbons weiter geht. Der Andrang ist groß, die Warteschlange lang, die Chordamen in ihren Reifrockkleidern haben alle Hände voll zu tun.

Große Bandbreite

Fünf Kunstlieder, gesungen von Hedwig Schöner mit warmer Altstimme, am Klavier begleitet von Barbara Wegmeier, zeigen dann die Mozartsche Bandbreite. In einem Lied wird auf Italienisch leise gelacht, es werden Briefe des treulosen Liebhabers verbrannt, später Hände geküsst, zuletzt will ein Zauberer ein Liebespaar verkuppeln.

Szenenwechsel. Ein kleiner Spaziergang zur Schlosskapelle, zu den Kirchensonaten, den Instrumentalkompositionen für den Gottesdienst im 18. Jahrhundert, konzertante Sätze mit Christian Kohler an der Orgel. Ein kleiner, anheimelnder Kirchenraum, voll atemlos lauschender Zuhörer, eine Musik, die sich mehr weltlich als geistlich in die Höhe schwingt.

Alternative dazu ist das Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 in D-Dur. Schwungvoll-melodiös ist die Zwiesprache der Geigen mit der Solo-Violine, flankiert von Blech und Bass, im heiteren Allegro. Solistin Julia Fehre bezaubert durch kraftvolle Striche und süße Schmeicheltöne.  Verträumt klingt das Andante, tänzerisch-verspielt das Rondeau. Der Applaus will nicht enden und bewirkt eine kleine Zugabe.

Opernarien im Treppenhaus

Dann wir leises Murren laut, weil viele Besucher vor dem knallvollen Barockzimmer auf dem Gang stehen müssen und so kaum etwas hören. Deshalb gehen die Opernarien schließlich im Treppenhaus über die Bühne. Stehend oder auf mitgebrachten Hockern sitzend, lauschen die Gäste gebannt den vertrauten Melodien und den schönen Stimmen. Aus der „Entführung aus dem Serail“ und der „Zauberflöte“ singen Oliver Haux und Markus Georg Herzog vom Liebchen und der Treue, von Kampf und Streit.

Das Konzert endet mit dem „Exsultate, Jubilate“ der Sopranistin Martina Dorn, einem exzentrischen Jubel in vier Sätzen: der würdige Abschluss eines spektakulären Musikereignisses, der die Besucher beschwingt und zukunftsfroh in die sternenklare Nacht entlässt. (grö)

 

Erlebnis auf hohem Niveau

 

 

Kempten (Klaus E. Wittmann) | 23.11.2010, mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung

Erlebnis auf hohem Niveau

Unter Leitung von Kristof Büsing beeindrucken 60 Bläser und 120 Sänger mit der Aufführung der «Missa Katharina» in St. Anton - Ovationen im Stehen

Mit der Aufführung der Missa Katharina von Jacob de Haan hat sich der Musikverein Lenzfried zum 170-jährigen Bestehen nicht nur selbst ein schönes Geburtstagsgeschenk, sondern den vielen Besuchern in der Kemptener Pfarrkirche St. Anton ein Kirchenkonzert von hohem Niveau beschert.

Kristof Büsing, Leiter des Blasorchesters, hatte viel Zeit, Energie und Können investiert, um die rund 60 Bläser und 120 Sängerinnen und Sänger für die Aufführung fit zu machen. Sein Aufwand hatte sich gelohnt. Mit den Mitgliedern des Kirchenchores St. Anton, des Chores Zabander Sulzberg und des Stiftschores Bad Grönenbach standen Büsing engagierte und versierte Chorleute zur Verfügung. Die Einstudierung, die in den bewährten Händen der Chorleiter David Wiesner, Eva Brunner und Uli Willer lag, war vorbildlich. So konnte Büsing bei der Zusammenführung von Orchester und Chor aus dem Vollen schöpfen. Das Ergebnis war ein in sich geschlossener Klangkörper, der in allen Phasen der Aufführung den Anforderungen gerecht wurde.   

Harmonischer Gesamtklang

 Die Lenzfrieder Bläser eröffneten das Benefizkonzert zugunsten der «Stiftung für Körperbehinderte» mit dem «Concerto dAmore» von Jacob de Haan. Die drei in der Komposition enthaltenen Stilelemente - Barock, Pop und Jazz - wurden prägnant gegenübergestellt. Der harmonische Gesamtklang bildete einen idealen Übergang zum Hauptwerk.

 Auch wenn die Missa Katharina vom Schwierigkeitsgrad her ein leicht aufzuführendes Werk ist, bietet sie Chor und Orchester viele Gestaltungsmöglichkeiten. Diese schöpfte Büsing prima aus. Die große Sängerschar gestaltete alle Liturgieteile wirkungsvoll. Die Intonation war durchwegs rein, ebenso gut die Aussprache. Konsequent nahmen die Akteure Büsings klares Dirigat auf. Jeder Tempowechsel wurde perfekt umgesetzt

Das Orchester musizierte mit Elan und verlieh selbst den spieltechnisch schwierigen Passagen die notwendige Harmonie. Das Zusammenspiel beider Klangkörper war beeindruckend.   

Feines Timbre

Mit ihrem klaren und in der Höhe fein timbrierten Sopran fügte sich die Solistin Gertrud Hiemer-Haslach nahtlos ins Ensemble ein. Sie zelebrierte mit ihrer herrlichen, höchst aussagekräftigen Stimme die Soli einfühlsam. Jeder Ton war ein Ohrenschmaus. Bewegend das verständnisvolle Miteinander von Chor und Solistin, dem sich die Bläser gefühlvoll anpassten.

 

Kempten | Von Klaus E. Wittmann | 08.10.2010, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

Gut gewählt 

St. Anton - Schönes Programm beim Konzert zum Tag der Deutschen Einheit 

Beim Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit in der katholischen Stadtpfarrkirche St. Anton in Kempten präsentierte David Wiesner ein breitgefächertes Programm - und ausgezeichnete Interpreten, einschließlich sich selbst.

 

Gleich zu Beginn zeigte der Trompeter Johannes Möller in der Suite in D-Dur von Georg Friedrich Händel sein vielseitiges Können. Virtuos ertönte majestätischer und feinfühliger Trompetenklang. Herrlich die Echowirkung von Solo-trompete und Streichquartett. Ebenso beeindruckend erklang Jeremiah Clarkes «Musik für des Königs Trompeter». Noch klarer stellte sich die jeweilige Eigenständigkeit von Trompete und Streichern dar, die aber stets in ein geschlossenes Ganzes führte.

Wunderschön erklang die Sinfonia für Trompete und Orgel über den «Garten der Liebe» von Alessandro Scarlatti. Perfekt die klangliche Balance der beiden Instrumente. Berührend, wie Liebe sich zu entwickeln, aufzubrausen oder sich zurückzuziehen vermag.

Marimbaphon als Kontrast

Ein Hochgenuss der Kontrast, den Sebastian Kern mit seinem exzellenten Spiel der Stücke von Earl Hatch und Evelyn Glennie am Marimbaphon zelebrierte. Er zauberte ein Klangerlebnis, das virtuose Intensität mit tief verwurzelter Innigkeit verband.

Abwechslung boten die Gedichte «An mein Vaterland» von Nikolaus Lenau und «Nachtgedanken» von Heinrich Heine. Franz-Josef Hartmann verlieh den Rezitationen mit heimatlich gefärbtem Hochdeutsch besonderen Charme.

Julia Fehre, Carolin Forster (beide Violine), Susanne Kühn (Viola) und Heidrun Rosenberger (Violoncello) sorgten mit der Interpretation des «Kaiserquartetts» von Joseph Haydn für einen weiteren Glanzpunkt. Wie schon in den Stücken zuvor überzeug-ten sie durch Homogenität und Ge schlossenheit. Meisterlich die differenzierte Gegenüberstellung der vier Cantus-Firmus-Variationen im 2. Satz über das Thema der Kaiserhymne.

Sowohl bei der Programmgestaltung als auch an der Orgel erwies sich David Wiesner als Meister seines Faches. In der Sonate in C-Dur von Franz Xaver Schnizer und bei der «Sinfonia col tanto applaudito» von Padre Davide de Bergamo bestach er durch die präzise Spielweise, die klar strukturierte Registrierung und die deutliche Herausarbeitung der Originalität der beiden Stücke.

 

Kempten | Von Rainer Schmid | 30.03.2010, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

Radikal reduziert  

Sakrales Konzert - Arvo Pärts Johannespassion erweist sich als spröde, schwierig und schön

Das war hart. Nicht nur das Balkenholz der Kirchenbank im Kreuz, sondern auch die 70 Minuten Arvo-Pärt-Musik. Für die meisten Besucher in St. Anton in Kempten ein echtes Passions-Konzert. Denn Pärts Vertonung der lateinischen «Passio Domini nostri Jesu Christi secundum Joannem» ist alles andere als melodiös, harmonisch, prachtvoll. Sie verzichtet auf fast alles, was uns Musik gewöhnlich genießen lässt. An die Stelle des Genusses «schöner» Musik setzt Pärt Stille, Meditation, gleichförmig-kargen, stark dissonanten musikalischen Verlauf. 

«Ich arbeite mit wenig Material», sagt Pärt, «ich baue aus primitivem Stoff, aus einem Dreiklang, einer bestimmten Tonqualität.» Auch die Zahl der Ausführenden entspricht dieser radikalen Reduktion des Klangmaterials aufs absolut Wesentliche: ein Solistenquartett, vier Instrumente, Orgel, eine Handvoll besonders tonsicherer Chormitglieder.

Chordirektor David Wiesner bewies mit der Aufführung der Johannespaation viel Mut und enormes Geschick in der Gestaltung des spröd-schwierigen Werks. Bei Pärt gibt es keinen Evangelisten, keine Arien und Rezitative oder glanzvolle Chor- und Orchesterpartien. Die Erzähler-Rolle teilten sich vier ausgezeichnete Solisten: Hanna Herfurtner aus Berlin (Sopran), Hedwig Schöner aus Ottobeuren (Alt), Roman Payer aus Augsburg (Tenor) und Nikolai Ardey aus München (Bass). Jesus, der Bass (immer von Christian Kohler auf der Orgel begleitet) und Pilatus (Tenor) sind zwar solistisch besetzt, aber immer eingebettet in den erzählenden Verlauf, der sich musikalisch auf eine a-Moll-Tonalität mit stark diatonischen Dissonanzen beschränkt.

In E-Dur stehen dagegen immer die Einwürfe der Volksmenge, des kleinen Chores also, der in St. Anton auf der Orgelempore stand, während die vier Solisten vorne im Altarraum platziert waren. Dort saß auch das kleine, feine Orchester, welches sparsam schöne Klangfarben beisteuern durfte: Julia Fehre (Geige), Sarah Weinbeer (Oboe), Zoltan Wagner (Fagott) und Heike Koch (Cello).

«Die Stille ist immer vollkommener als die Musik», meint Pärt zu dieser Kargheit, «man muss nur lernen, das zu hören.» Nicht zufällig hat sich der russisch-orthodoxe Christ Pärt fast ausschließlich geistlicher Musik zugewandt. Denn in dieser kompromisslosen Einfachheit seiner Kompositionen, in den minimal-meditativen Veränderungen des Tonmaterials entsteht eine Art Stille - Raum für eine transzendente Tiefen-Dimension. Es ist aber hart zu lernen, sie zu hören.

 

Kempten | Von Klaus E. Wittmann | 27.07.2009, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

Klangerlebnis besonderer Art

Konzert - Haydn-Händel-Nacht verzaubert das Publikum in St. Anton

Viele musikalische Schmankerl kredenzten Chordirektor David Wiesner und Musiker bei der Haydn-Händel-Nacht in der katholischen Stadtpfarrkirche St. Anton in Kempten. Zu Beginn des vielseitigen und abwechslungsreichen Programms erklang Josef Haydns prachtvolle Schöpfungsmesse, die zu seinen bedeutendsten Werken gezählt wird. Orchester und Chor von St. Anton sowie Solisten gestalteten das teils lyrische, teils imposante Kirchenmusikwerk ausdrucksstark und homogen. Ein Wermutstropfen war, dass das Orchester im Kyrie übermächtig musizierte und so dem Chor die Gestaltungsmöglichkeit verwehrte. Umso dezenter begleiteten die Musiker das Solistenquartett, das mit dem Chor «Benedictus» und «Agnus Dei» zu Glanzpunkten der Orchestermesse werden ließ.

Seine Vielseitigkeit bewies der Kirchenchor St. Anton nicht nur dabei, sondern auch in Haydns «Te Deum». Mit Martina Dorn (Sopran), Hedwig Schöner (Alt), Markus Georg Herzog (Tenor) und Jens Hamann (Bariton) traten Solisten auf, die mit hoher Gesangskunst die Musiknacht zu einem besonderen Klangerlebnis machten.

Mit Leichtigkeit in den Stimmen sangen Martina Dorn und Hedwig schöne Arien und ein Duett von Georg Friedrich Händel im Klosterhof. Markus Georg Herzog brillierte mit einer Arie aus Haydns «Schöpfung». Den Glanzpunkt setze Jens Wagner mit zwei Soli aus den Oratorien «Jahreszeiten» und «Schöpfung».

Ein weiterer Höhepunkt war Haydns Hornkonzert Nr. 1 in D-Dur, das der Solohornist Philipp Römer mit bewegender Feinfühligkeit und spielerischer Perfektion gestaltete. Unter der Leitung von Konzertmeister Andreas Hartmann vom MDR-Sinfonieorchester Leipzig begleitete ihn das Orchester überaus einfühlsam. Andreas Hartmann, Christiane Seefried (Violine), Johannes Kühn (Viola) und Heike Koch (Violoncello) verwöhnten die Zuhörer mit einer harmonischen und hervorragenden Interpretation von Haydns «Kaiserquartett» in der Kirche.

Den krönenden Abschluss der Haydn-Händel-Nacht vollzog das optimal besetzte Orchester mit Händels «Feuerwerksmusik». Unter David Wiesners präziser Stabführung begeisterten die Musiker durch Elan, Spielfreude, Präzision und geschlossener Orchesterleistung.

Neben den musikalischen Leckerbissen wurden die Besucher auch mit kulinarischen Leckereien verwöhnt. Dabei sorgen am Buffet Frauen und Männer in historischen Kostümen aus dem Atelier Nico Blaser für modische Farbtupfer. Wiederholt tosenden Beifall spendete die große Zuhörerschar für diese traumhaft-schöne Haydn-Händel-Nacht.

 


Kempten | Von Klaus E. Wittmann | 09.12.2008, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

Wirkungsvolle Effekte

Kirchenmusik Chordirektor David Wiesner führt Händels berühmtes Oratorium «Messias» in St. Anton bravourös auf

Alles, was sich Chordirektor David Wiesner für die Messias-Aufführung als vorgezogene Hommage zum 250. Todestag von Georg Friedrich Händel 2009 vorgenommen hat, setzte er mit Solisten, Chor und Orchester von St. Anton bravourös in die Tat um. Dramaturgische Besonderheit war, dass er Chorsätze im Wechsel von Solisten und Chor singen ließ, wodurch die jeweiligen sprachlichen und musi- kalischen Effekte wirkungsvoll herausgearbeitet wurden.

Dank seines handwerklichen Könnens weiß der Kirchenmusiker sehr wohl, wie wichtig die Geschlossenheit aller Mitwirkenden für den Erfolg eines so bedeutenden Meis- terwerkes ist. Wieder bewies Wiesner eine glückliche Hand bei der Auswahl der Solisten. Doris Döllinger (Sopran), Hedwig Schöner (Alt), Bernhard Gärtner (Tenor) und Markus Lemke (Bass) gestalteten Rezitative, Arien, Duette und Quartette mit spielerischer Leichtigkeit und hoher Intensität. Glanzpunkte waren die Tenor-Arie «Alle Tale macht hoch erhaben», das Duett Alt/Sopran «Er weidet seine Herde», die Alt-Arie «Er ward verschmähet», die Sopran-Arie «Ich weiß, dass mein Erlöser lebet» und die Bass-Arie «Warum denn rasen und toben die Heiden». Letztere machte Markus Lemke Dank seiner enormen Ausdruckskraft, seiner stimmlichen und stilistischen Vielseitigkeit zum Bravourstück.

Die gesamte Aufführung hindurch bot der St.-Anton-Chor Hochleistung. Variable Gestaltung der abwechslungsreichen Chorsätze, klare Aus- und Absprache, perfekte Einsätze und lupenreine Intonation waren die Voraussetzungen, dass die Echoeffekte im «Halleluja» und die komplexe, schwierige Schlussfuge «Amen» zu chorischen Höhepunkten geformt wurden.

Das Orchester gestaltete mit der gleichen Intensität und Zuverlässigkeit wie die übrigen Mitwirkenden und wurde somit zum Garant für die grandiose Wiedergabe. Lediglich die Solotrompete bei der Bass-Arie «So schallt die Posaun» war zu übermächtig. Nicht sie, sondern der Sänger sollte Solist sein. Am Orgelpositiv war Christian Kohler souveräner Begleiter.

Über die Einfügung der beiden Chorsätze «Tochter Zion» und «Macht hoch die Tür», die auch die Zuhörer mitsingen sollten, kann man geteilter Meinung sein.

Lang anhaltender, frenetischer Beifall und die damit erzielte «Halleluja-Zugabe» waren für alle Mitwirkenden die schönste Belohnung.


Kempten | Von Rainer Schmid | 30.06.2008, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

Köstliches für Ohren und Gaumen

Mozartnacht 400 Besucher in St. Anton wurden viereinhalb Stunden lang mit Musik, Essen und Trinken verwöhnt - Weltliche und sakrale Werke aufgeführt

Ein kräftiger, anhaltender Regenguss prasselte aus heiterem, sternklarem Sommerhimmel über die Mozart-Nacht in St. Anton: Es war der Platzregen des überaus herzlichen Schluss-Beifalls, auch des Dankes für diese viereinhalb Stunden Musik, Essen und Trinken, Gespräch und Geplauder, der sich über den Veranstalter David Wiesner, Solisten, Chor und Orchester sowie mozart-zeitlich verkleidete „Bedienstete“ ergoss.

Zum abschließenden „Te Deum“ mit allen beteiligten Musikern versammelten sich noch einmal die 400 Besucher in der Klosterkirche kurz vor Mitternacht. So gut wie alle hatten den ganzen Abend lang durchgehalten. Kleinere Ermüdungserscheinungen in den Bankreihen bei den vorausgehenden Kirchensonaten (unsichtbar von der Orgelempore aus) brachten südländisches Flair und Lockerheit in den geistlichen Raum: Das eine oder andere geflüsterte Wörtchen zur Banknachbarin, oder ein Gameboy spielender Junge in der ersten Reihe, vom Vater daneben halbwegs interessiert beäugt.

Draußen waren Tische und Bänke auf allen ebenen Rasenflächen bereitgestellt. Man konnte, sobald der Hunger sich meldete, eines der köstlichen Hauptgerichte aus der Asia-Küche im Pfarrheim holen (der Renner war die knusprig-honigscharfe Ente), einen Tiramisu-Nachtisch oder ein Weißbier mit an den Tisch im Freien nehmen.

Und falls man sich damit beeilte, konnte man sogar das ganze Potpourri des mozärtlichen Musik-Events im stimmungsvollen Klosterhof und in der Kirche mitkriegen: ein Violinkonzert mit der ausgezeichneten Geigerin Julia Fehre aus Oy-Mittelberg; das „Exultate, Jubilate“ für Orchester und Solosopran, gespickt mit bravourösen Koloraturen - eine vokale Wonne für Martina Dorn aus Rettenberg und die Zuhörer, die mit viel Beifall eine „Halleluja“-Zugabe erklatschten.

Oder: Sechs „Notturni“ für drei Solisten (Martina Dorn, Hedwig Schöner, Nikolai Ardey) und Pianobegleitung (Christian Kohler im feuerroten Mozart-Rock und blütenweißen Spitzen-Manschetten, am Clavinova). Oder: Opernarien aus „Don Giovanni“, mit diskret verlesenen Details über diesen spektakulär bestraften Frauenhelden. Oder: Orgelstücke moderneren Zuschnitts - Christian Kohler improvisierte über den „Türkischen Marsch“ aus der A-Dur-Sonate, die bei dem Uwe-Korn-Stück „Mozart Goes Jazz“ nochmals „wörtlich“ auftauchte nebst anschließender Gershwin-Verkleidung.

Und bei der festlich eröffnenden „Krönungsmesse“ für Solisten, Chor und Orchester brach die Abendsonne durch die Apsisfenster der Klosterkirche. Sie beleuchtete auf dramatische Weise im Gegenlicht die fliegenden, tellergroß weißen Ziermanschetten an den Dirigierhänden des Leiters David Wiesner im goldgrün gewirkten historischen Umhang. Organisator Wiesner gestand im Nachhinein überglücklich, dass er „niemals“ mit so vielen Besuchern gerechnet habe.

Eine Mozart-Nacht, wie man sie sich erträumen möchte.


 

Kempten | Von Irmtraud Brunk | 03.09.2007, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

Voller Trauer und Schmerz

Eindringliche Gestaltung des Mozart-Requiems in der St. Anton-Kirche

Als Einstimmung in die Karwoche und Tribut an das Mozart-Jahr wurde in der voll besetzten Stadtpfarrkirche St. Anton Wolfgang Amadeus Mozarts letzte unvollendet gebliebene Komposition, das Requiem KV 626, aufgeführt. Die Wiedergabe unter Leitung von Chordirektor David Wiesner mit Chor und Orchester von St. Anton beeindruckte durch ihre musikalische Qualität und eindringliche Gestaltung. Wäre nach der Aufführung Beifall angebracht gewesen, was bei einer Totenmesse nicht schicklich ist, hätten die Zuhörer sicherlich noch im Stehen gedankt. In vielen klugen Büchern sind die Besonderheiten dieses Requiems nach Originalteilen und Zufügungen untersucht worden. Ebenso lebhaft war die nachträgliche Legendenbildung zu Auftraggeber sowie Todesursache, welcher der 35-jährige Komponist im Dezember 1791 erlag. Trotz aller richtig stellenden Forschungen hüllt immer noch etwas Geheimnisvolles, Schicksalhaftes dieses Werk ein, das Mozart in der traditionellen Form des Requiems, zusammengesetzt aus normalen und speziellen Teilen der Messfeier, konzipierte. David Wiesner erreichte bei dieser Aufführung vor allem mit seinem großen Chor eine bewundernswerte Leistung.

Er ließ voll aussingen, wodurch zwar die Differenzierung der Klangstärken etwas flacher verlief, aber eine durchgängige Eindringlichkeit, Kraft und Energie gewährleistet war. Schon die Akzentuierung des „Domine“, die Leuchtkraft des Solosoprans und die herbe, kompakte Kyrie-Fuge (am Ende wiederholt im Lux aeterna) nahmen in den Bann : Ein Stimmenvolumen, das stets klar und sauber durchgezeichnet blieb, Emphase und Intensität ausstrahlte und eine gespannte Standfestigkeit während der die ganzen Aufführung durchhielt.. So führte der Chor bewegend durch die Totenklage, die Hoheit der apokalyptischen Bilder des Gerichts, die Wendung zum Subjektiven, zur Reflexion des Todes im eigenen Leben, zum Trost, den der Glaube bietet. In den Gesangsolisten und dem von Konzertmeister Johannes Kühn geleiteten Orchester von St. Anton fand der Chor kompetente Partner. In der Instrumentierung von Franz Beyer, entfaltete das Orchester eine plastische Phrasierung, vertiefte die vom Chor intensiv vorgegebenen Stimmungen von Trauer und Schmerz, aber auch Milde und Tröstung. Dies gilt gleichermaßen für die überzeugende Gestaltungskraft der vier Solisten Doris Pohl (Sopran), Hedwig Schöner (Alt), Juan Noval-Moro (Tenor) und Oliver Haux (Bass).64 Jahre vor Mozarts Requiem komponierte Johann Sebastian Bach die Kantate „Ich habe genug“, die Wiesner der Requiem-Aufführung voranstellte. Es ist ein entrückter Text über das Sterben, das hier wie ein sanfter Schlummer von der Last des Lebens erlöst. Der Bariton Christian Feichtmair sang Rezitativ und Arien mit Wärme und Wohlklang, einfühlsam begleitet vom Streichorchester und dem geschmeidigen Gesang der Oboe (Nikola Stolz).

 


Kempten | Von Klaus-Peter Mayr | 31.08.2007, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

Viele ergreifende Momente

Mendelssohns großartiges Oratorium "Elias" war in St. Anton in guten Händen

"Sie haben eine Karte? Sie Glücklicher!" Solche Worte musste sich anhören, wer am Sonntagnachmittag in St. Anton an der Schlange jener Wartenden vorbeiging, die noch auf einige der Resttickets an der Tageskasse hofften. Wieder einmal war eine großes Projekt des Kirchenchores ausverkauft. Ein Zeichen dafür, dass es die Musica-sacra-Liebhaber schätzen, wenn sich in Kempten immer wieder Chöre und Orchester daran machen, gewichtige Werke großer Komponisten in einem musikalischen (und meist auch finanziellen) Kraftakt zur Aufführungsreife zu bringen. In St. Anton hat sich Chorleiter David Wiesner heuer das Mendelssohn-Oratorium "Elias" ausgesucht. Jenes Werk, das im 19. Jahrhundert aus seiner Gattung wegen der Dramatik und Farbigkeit herausragt. Felix Mendelssohn-Bartholdy stellte ein Jahr vor seinem (frühen) Tod 1847 ein Zweistunden-Stück vor, das meisterhaft den alttestamentarischen Stoff um den Propheten Elias in Töne und Klänge umsetzt. Die spannende Frage, natürlich: Würde die Interpretation ähnlich meisterlich werden? Schließlich singen im Kirchenchor St. Anton Laien, und die Probenzeit zusammen mit Solisten und Orchester reduzierte sich - wie in solchen Fällen üblich - auf ein Wochenende. Die Antwort: Mit den zu erwartenden Einschränkungen leistete David Wiesner, der die Aufführung umsichtig leitete, ganze Arbeit. Bei der Solistenwahl bewies er Geschick. Für den tragenden Part des Elias engagierte er den aus Südkorea stammenden Bass-Bariton Chang Hyung Lee. Er, der noch studiert, besitzt eine tragende, wohlfundierte und farbige Stimme. Er interpretierte Elias weniger als zornigen, eifernden Mann Gottes, denn als wachsamen Patriarchen. Vielleicht hätte an manchen Stellen etwas mehr Emphase und Wucht dem Text eher entsprochen.

Souveräner Tenor Sehr plastisch und bisweilen fast liedhaft gestaltete Robert Morvai die Tenorpartien. Er hat eine Stimme, die scheinbar mühelos an alle Plätze gelangt. Den beiden Männern standen die Frauen kaum nach. Susanne Maria Graf (Alt) hatte vor allem als Königin, die gegen den Propheten hetzt, einen großartigen Auftritt; klar und schlank: Sopranistin Doris Döllinger. Allerdings hatte sie bei lauteren Passagen Probleme, sich gegen das Orchester durchzusetzen. Klangschön und homogen agierten die zur Farbigkeit des Werkes beitragenden Ensembles mit Martina Dorn (großartig auch als "Knabe"), Goldrun Lousseau, Rudi Haslauer, Christoph Dobmeier und Kai Bischoff. Mendelssohns Partitur verlangt ein ausgewachsenes "romantisches" Orchester, wobei Wiesner aus finanziellen und Platzgründen an der unteren Größengrenze bleiben musste. Es bildete dennoch ein stabiles Rückgrat, solide bis zupackend musizierend, wobei die Blechbläser herausragten. Wenn das Orchester mehr als ein Mezzo gab, hatte es der Kirchenchor, der vor allem das Volk vertrat, schwer sich durchzusetzen. Alles andere wäre aber eine Überraschung gewesen. 65 Stimmen sind zu wenig. Zumal die Dynamik von Laienchören großen Orchestern gegenüber gewöhnlich nicht ausreicht. Doch in den leiseren und in den A-cappella-Passagen wurden die Qualitäten deutlich hörbar: gute Intonation, ausgewogenes Klangbild, homogene Gestaltung. "Sie Glücklicher!" Die Prophezeiung jener Frau vor der Kasse erwies sich am Ende, nach fast zweieinhalb Stunden (inclusive Pause), als richtig. Es dürfte kaum einen der 650 Zuhörer gegeben haben, der nicht beglückt wurde von der Interpretation, die durchweg fesselte und immer wieder für ergreifende Momente sorgte. Dementsprechend groß und wohlwollend ergoss sich der Beifall in das Kirchenschiff von St. Anton.

 

Kempten | Von Irmtraud Brunk | 17.11.01, mit freundlicher Genehmigung der ALLGÄUER ZEITUNG

In Klangwolken gehüllt

Starke Besetzung bei Gounods Cäcilienmesse in St. Anton.

Bis auf die Straße hinunter reichte die Schlange der Musikfreunde, die an der Aufführung der "Messe Solennelle en l\'honneur de Sainte Cécile" von Charles Gounod in der Stadtpfarrkirche St. Anton teilhaben wollten. Schon äußerlich ein Zeichen des großen Erfolgs, unter dem dieses Konzert unter der Leitung von Chordirektor David Wiesner stand, das dann auch inhaltlich stark zu überzeugen und mitzureißen wusste.

Zwischen den Polen Kirchenmusik und Oper verwirklichte sich das OEuvre von Charles Gounod, der sich auch persönlich lange nicht zwischen einer geistlichen oder weltlichen Laufbahn entscheiden konnte. Seine Festmesse zu Ehren der Patronin der Musica Sacra ist wie fast alle französische Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts stärker an der Gregorianik orientiert als an barocker Mehrstimmigkeit. Um die vom Komponisten angestrebte monumentale Wirkung zu erreichen, entschied sich Wiesner, drei Chöre zusammenzustellen: die Kirchenchöre St. Anton und St. Hedwig aus Kempten sowie St. Blasius aus Dietmannsried.

Der Erfolg gab ihm recht. Durch die starke Besetzung (mit Orchester und Solisten waren rund 180 Menschen beteiligt) senkten sich Klangwolken auf die Zuhörer herab, wie sich das selten ereignet. Auch wenn das Monumentale nicht jedermanns Geschmack ist, diese räumlichen Klangwirkungen in einer gespannten, aber völlig unforcierten Dynamik zogen nachdrücklich jeden in den Bann.

Als ein Beispiel dieses erhabenen Effekts, dem gleichwohl keinerlei Banalität anhaftete, sei das Sanctus genannt, wo sich mit Posaunen auf den Emporen und nicht zuletzt der großen Orgel Musik sozusagen von allen Seiten verströmte. Das Zusammengehen der drei Chöre (Caroline Spindler hatte den Kirchenchor St. Hedwig, Georg Dietrich den Kirchenchor St. Blasius einstudiert) funktionierte sehr gut. Auffallend die deutliche Artikulation der Texte und die Geschmeidigkeit, mit der dynamisch von Partien schlichter Innigkeit bis zum aufbrausenden Jubel reagiert wurde.

Eine fordernde Aufgabe hatte die Konzertorchestervereinigung St. Anton unter der Leitung von Konzertmeister Johannes Kühn zu absolvieren. Die sicher musizierenden Instrumentalisten agierten als verlässlicher Partner für den lebhaften Elan und den Wohlklang dieser Aufführung. Nicht zuletzt trugen dazu auch die drei Gesangssolisten Melanie Männl (Sopran), Scott Mac Allister (Tenor) und Lee Jameson (Bass) mit ihren großen Ausdruck entfaltenden Stimmen bei.

Statt Zugabe ­ David Wiesner kennt sein begeisterungsfähiges Publikum ­ gab es ein Vorspiel. Eine "Petit sinfonie" für neun Bläser (Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott) von Charles Gounod führte in dieser reizvollen Klangmischung in die musikalische Welt des französischen Komponisten ein.